600 bis 1400°C. So heiß ist es in einer Kerzenflamme. Da möchten wir nicht hineinlangen. Der Flamme in ihrer Öllampe beim Tanzen zuschauen, das bekommen wir hin. Wenn viele kleine Flämmchen in ihren Tonschälchen tanzen, dann ist ein wichtiges Fest in Indien da. Diwali (auch Divali oder Dipavali oder Deepavali) haben wir in Khajuraho im familiären Kreis mitfeiern dürfen.

 

Diwali. Das wohl wichtigste Fest in Indien.

Ein bisschen Weihnachten, ein klein wenig Ostern, ziemlich viel Silvester, ein Guru, lecker Essen, viele Öllampen und liebe Menschen. Willkommen im Diwali-Wahn. Das Lichterfest ist das wichtigste Fest im hinduistischen Kalender und bereits Tage, wohl Wochen vor dem Festtag bereiten sich die Inder auf den Tag aller Tage vor. Und – obwohl verboten – lassen sie schon Tage vor dem Fest Feuerwerkskörper krachen. Den Überschuss hört jeder in den Tagen danach. Im Grunde geht es bei Diwali, das im Schnitt zwischen einem und fünf Tagen andauert, um den Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über den Schatten und des Lebens über den Tod. Auch hier finden wir Parallelen zu unseren Festen daheim.

 

Diwali 2018 in Khajuraho

2018 (nach westlichem Kalender) fiel Diwali auf den 7. November. Wir waren in Khajuraho. Ein kleiner Ort, der für seine Tempel bekannt ist – dazu hier mehr. Wir vermuten, die wenigsten Reisenden bleiben länger als ein oder zwei Nächte in Khajuraho. Anders wir. Denn wir suchten Ruhe und fanden neben ihr auch Diwali. Wir haben in einem kleinen, herzlichen , familiengeführten Hotel etwas außerhalb am Stadtrand übernachtet. Weit ab von der Hauptverkehrsader. Perfekt. Ein paar Tage kein Gehupe, ein begrünter Innenhof, eine Dachterrasse mit Blick in die Felder.

Schutzmantra zu Diwali

 

Rituale zu Diwali

Wie wir sie erlebt haben. Tagsüber haben wir beobachtet, wie die Einwohner Khajurahos zum Tempel gegangen sind. Sie haben gebetet, Opfer in Form von Kokosnüssen gebracht, Räucherstäbchen und kleine Öllämpchen (diya genannt) entzündet und lautstark gesungen, manchmal auch eher geschrien als gesungen – aber das liegt vielleicht auch im Auge des Betrachters. Das familiäre Fest findet dann abends statt. Ein Guru ist bei der Familie daheim und erzählt, betet Mantras. Wir hätten einen Simultandolmetscher neben uns gebraucht, aber möglicherweise ist es auch nicht schlecht, dass wir nichts verstanden haben. Dazu werden diverse Rituale begangen, mit denen die Göttin Lakshmi geehrt und ins Haus eingeladen wird, um Glück und Wohlstand zu bringen. Die kleinen feinen Diwali-Lichter werden entzündet. Auch gehört ein Schutzmantra zu Diwali in Indien. Dazu wickelt der Guru jedem, der möchte, eine rote Schnur ums Handgelenk, während er das vedische Mantra aufsagt. Wieder einmal haben wir leider keine Ahnung, was er da genau gesagt hat, aber wir sind vor allem Bösen geschützt – ganz sicher.

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