360° Blick über Tokio vom Skytree: wow! Da oben wird schlagartig klar, wie groß dieses von Menschen gemachte Ballungsgebiet ist. Mit etwas Glück sieht man in der Ferne noch den Fuji – ein wundertolles Panorama. Und dann waren da ja noch Sakura, Hanami, bunte Töne und Farben, der Fischmarkt und ein wenig Platz zum Durchatmen außerhalb der Großstadt.

 

Die erste Begegnung mit Hanami in Tokio, ohne Blüten

Die Fahrt vom Flughafen in die Tokioter City war eine erste Überraschung. Es war ein bisschen so wie ein Oktoberfestabend in Münchens S-Bahnen, allerdings ohne Trachten oder Outfits, die es werden wollen. Alkoholgeschwängerte Luft, am Boden sitzende „Salarymen“. Alles so gar nicht typisch für das ansonsten auf Zurückhaltung und Sauberkeit bedachte Japan. Aber es war Freitagnacht und Hanami (Kirschblütenfest). Und das bedeutet nichts anderes als sich in Vorfreude auf wärmere Temperaturen und dem Ende der kalten Jahreszeit zusammen mit Kollegen und Freunden und viel Bier, Sekt oder Sake in einen Park zu setzen und zu feiern. Das kann dann offensichtlich schon mal bedeuten, feuchtfröhlich über die Stränge zu schlagen.

Kirschblüte in Tokio

 

Milder Einstieg in Tokio zur Sakura-Zeit

Nach dem zum gemeinen Stereotypen des ordentlichen Japaners nicht passenden Bild bei unserer Ankunft ging es los mit einigen Tagen im Yanaka Viertel von Tokio nahe der Nippori Station der Yamanote S-Bahn Ringlinie. Das Viertel ist für einen Start in Japan sehr angenehm: übersichtlich, ein leichter Hauch europäische Aura und ruhiger, geradezu gemütlicher als die bekannteren Viertel in Tokio. Von dort aus haben wir unsere Erkundungstouren durch die Stadt in Angriff genommen.

Da wir ja zur Kirschblütenzeit in Japan waren, haben wir uns das Ganze dann auch mal angeschaut. Klassischerweise besuchen Japaner und Besucher während der Sakura (Kirschblüte) einen der vielen Parks in Tokio. Da kann es dann aber auch passieren, dass man sich durchschiebt wie zum Höhepunkt der Feierabendrushhour. Verrückt diese Begeisterung und auch Geduld in den vielzähligen Warteschlangen. Und ansonsten: Hanami ist ein Volksfest und damit ein Grund rosa-farbenden Perlwein zu trinken. Es ist auch ein Grund, sich in den Park zu setzen und ein Picknick mit vielen Freunden, der Familie und einigen Bieren zu veranstalten. Oder Japaner und Touristen wählen die praktische Variante und schlemmen an den vielen Essensständen.

Sakura in Tokio

 

Kleine Auszeit vom fordernden Tokio

Tokio kann manchmal richtig fordernd sein. Laut, weil die Rolltreppe oder der Aufzug mit einem redet, eine Melodie wie im Videospiel die Ein- und Abfahrt des Zuges verkündet, ein fast melodisches Piepsen die Grünphase der Ampel ankündigt und begleitet oder die riesengroße Werbetafel das neueste Album der momentan hippsten Boyband laut- und zudem lichtstark anpreist. Dem kann man hin und wieder gut und gerne entfliehen, dachten wir uns. Deshalb haben wir einen schönen Tagesausflug nach Kamakura, etwa eine Stunde von Tokio entfernt, gemacht. Dort haben wir den großen Buddha im buddhistischen Tempel Kotoku-in bewundert. 13,35 Meter hoch, 121 Tonnen schwer, andächtig sitzend. Wunderschön. In und um diverse Schreine und Tempel in Kamakura können eigene Wünsche auf Holztäfelchen angebracht werden. Eine kleine Wanderung durchs Hinterland und ein Spaziergang am Strand lassen das schnelllebige Tokio für einen kurzen Augenblick vergessen – Zeit zum Durchatmen.

Großer Buddha in Kamakura

Strand in Kamakura bei Tokio

 

Shinjuku, Shibuya und Tokios Fischmarkt

Auf der letzten Etappe unserer Japanreise waren wir zurück in Tokio und entdeckten Shinjuku und Shibuya, erlebten das Kawaii Monster Café, stiegen hoch auf 350 Meter des Skytree Towers, schlenderten durch den Fischmarkt und auch durch das Rotlichtviertel Kabukicho mit seinem Golden Gai Partybereich. 

Das Kawaii Monster Café in Shinjuku ist eine kleine Welt für sich. Es scheint, als lohnte es sich am besten unter der Woche gegen 18 Uhr hinzugehen, denn nachmittags stehen unendlich viele Schüler Schlange bis ins Erdgeschoss. So eine Location muss man mal gesehen haben: quietschbunt, laut, skurril, voll gepackt mit allerlei Details und im weitesten Sinn das namensgebende Thema umsetzend. Das viel beworbene und sehr viel teurere Robotcafé kann dahingegen fast einpacken, finden wir.

Kawaii Monster Cafe in Tokio

 

Leider ist Tokios Fischmarkt nicht mehr das, was er mal war. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle (auch im Namen der Japaner) an die vielen Touristen, die sich in der Vergangenheit offensichtlich nicht benehmen konnten. Es ist nun mal kein Museum, sondern ein Markt mit täglichen Großhandel. Durfte man früher noch alle kleinen Gassen erkunden und mit Vorsicht und Respekt Fotos machen, so wacht nun eine Marktpolizei über das Areal und viele Fotoverbotsschilder säumen die Stände. Würde ich als Standbesitzer auch begrüßen, denn viele Touristen stehen nur im Weg rum und kaufen nichts. Nun, der Markt wird bald auf ein neues Gelände umziehen und somit wahrscheinlich auch den Charme verlieren.

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