942°C. Immer wieder Feuer. Immer wieder Licht. In Varanasi kommt die ganze, laute Spiritualität des Hinduismus zusammen. Von Feuerzeremonie über ein Fest zur Ehre der Sonne bis hin zur Totenverbrennung.

 

Aarti Ritual: Feuerzeremonie in Varanasi

Jeden Abend findet das Ganga Aarti Ritual am Ufer des Ganges statt. Um der Göttin Ganga zu huldigen, bringen die Gläubigen ein rituelles Feueropfer. Sie setzen ein kleines Licht und ein paar Blumen auf ein Schiffchen und setzen das auf den Fluss. Da ist sie wieder diese Diskrepanz: Der heilige Fluss wird mit Dingen geehrt, die nicht in die Natur gehören.

Junge Religionsgelehrte bringen der Göttin Ganga ein Feuerritualdar, das Aarti Ritual

Neben den kleinen persönlichen Opfern, findet auch eine choreographierte Zeremonie am Dasaswamedh Ghat statt. Junge Religionsgelehrte, Pandits, blasen auf Meeresschneckenschalen und schwenken Räucherstäbchen und große Feuerlampen. Es ist nahezu ein Spektakel. Das zeigt auch die Menschenmasse, die gekommen ist, um es sich anzuschauen. Und das zeigen auch die Babas, Brahmanen, Kinder und Verkäufer, die ihre Chance wittern, Segnungen, Kerzen und Kram an die Besucher zu bringen, um ein wenig Geld einzustecken. Und dennoch: Immer wieder zwischen all den Händlern, Handys und Kameras sehen wir Menschen, die tief glauben. Die dem, was da passiert, eine tiefe Bedeutung beimessen. Von außen betrachtet jedenfalls.

 

Chhath Puja in Varanasi

From dusk till dawn. Beim Chhath Puja wird die Sonne geehrt. Angefangen am Abend zum Sonnenuntergang. Aufgehört am frühen Morgen zum Sonnenaufgang. Nicht, dass alle die Nacht zum Tag machen, aber ein paar Verrückte gibt es doch. Die haben uns mit ihrer Trance/Techno/Elektromusik gut wachgehalten. Unaussprechliche Gedanken machen sich breit. Man erklärt uns, dass die Musik ein Zeichen ist, dass sich ein Wunsch erfüllt hat. Mit der Musik danken sie der Sonne, dass sie erhört wurden. Wir glauben, die Jugendlichen haben zuviel Geld für Boxen ausgegeben.

Chhath Puja in Varanasi: ein Fest zu Ehren der Sonne.

Vor der schlaflosen Nacht haben wir zum Glück auch die friedliche Seite des Chhath Puja kennengelernt. Am Ufer des Ganges haben wir Familien bei ihren Ritualen und Gebeten zugeschaut. Glücklicherweise lassen sich Hindus bei ihren Festen nicht stören – so haben wir es zumindest erlebt. Wir waren immer herzlich willkommen, zuzuschauen oder gar mitzumachen. Chhath Puja ist das einzige Fest, dass der Sonne gewidmet ist, trotz dessen, dass die Sonne für das Leben, den Kreislauf des Lebens und die Quelle aller Kräfte steht. An Chhath Puja ehren Hinduisten sie für ihr Wohlergehen und das ihrer Familien. Sie bringen in Varanasi Obst und andere Lebensmittel an den Ganges, zünden Räucherstäbchen und Kerzen oder Öllämpchen (diyas) an, beten und steigen in den Ganges.

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